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Der Jungfernsprung
Einst wurde ein armes, schönes Mädchen von der Mutter zum
Holzsammeln in den Wald geschickt. Als es mit der Arbeit fast fertig
war, hörte es den warnenden Schrei eines Eichelhähers und
sah erschreckt auf. Hinter ihr stand der Burgvogt und drohte ihr,
sie nur aus dem Wald zu lassen, nachdem sie ihn geküsst habe
und sein Liebchen geworden sei. Aus Angst vor dem Burgvogt floh das
Mädchen und rannte durch den dichten Wald davon. Verfolgt vom
Burgvogt, verlor sie aber im Dickicht die Orientierung und stand plötzlich
an einer hohen Felskante. Hinter sich den Burgvogt und vor sich den
Abgrund, streckte das Mädchen die Hände zum Himmel und rief:
"Maria, heilige Mutter Gottes, hilf mir!" und sprang in
die Tiefe. Wie durch ein Wunder geschah dem Mädchen nichts und
es stand unversehrt von der Wiese am Fuße des Abgrundes auf.
An der Stelle, wo das Mädchen niederkniete, um der Gottesmutter
zu danken, entsprang eine Quelle und den Fels über dem Tal nennt
das Volk seitdem den Jungfernsprung.
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Blondel, der treue Sänger
Eine kleine Gruppe Reiter ritt einst durch deutsche Lande. Sie waren
von weit her gekommen und ihre Heimat lag hinter dem Meer. Sie suchten
auf jedem Schloss und jeder Burg nach ihrem König, Richard
Löwenherz von England. Der Anführer der Gruppe war ein
blonder Sänger namens Blondel. Als sich die Gruppe dem Trifels,
der letzten Burg, in der sie noch nicht nach ihrem König gesucht
hatten, näherte, machte Blondel sich allein auf den Weg zur
Burg. An der Wehrmauer, wo er das Verlies vermutete, nahm er die
Fiedel vom Rücken und begann ein Lied zu singen, das nur er
und der König kannten. So wie schon bei unzähligen Schlössern
und Burgen zuvor sang er nur die erste Strophe und lauschte dann
gespannt auf eine Antwort. Und tatsächlich klang ganz dünn
aus dem unterirdischen Gefängnis die zweite Strophe des Königsliedes.
Er hatte seinen König und Freund gefunden. Mit dieser frohen
Kunde eilte er zurück zu den übrigen Reitern, um dort
Pläne für die Befreiung des Königs zu schmieden.
In der folgenden Nacht drangen sie in die Burg ein, befreiten nach
kurzem Kampf ihren König und flohen Richtung England. Der Ruhm
von Richard Löwenherz und auch die Treue des Sängers war
in aller Munde.
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Der betrogene Teufel
Vor vielen Jahren wollten sich die Bürger von Darstein eine
Kirche bauen. Um den Plan zu besprechen, wurde eine Bürgerversammlung
abgehalten. Während der Besprechung kam der Teufel durch den
Ort und wollte wissen, weshalb der halbe Ort auf den Beinen sei
und worüber so eifrig diskutiert würde. Der Bürgermeister
erkannte den Fremden sofort und hatte auch sogleich ein List parat.
Man wolle ein Wirtshaus bauen, erzählte er dem Teufel, habe
aber nicht genug Gelder in der Gemeindekasse. Das gefiel dem Teufel
und er erklärte sich bereit, ohne Bezahlung die für den
Bau benötigten Steine aus dem Wald herbeizuschleppen. Tag für
Tag brachte er große Felsen zur Baustelle, bis er eines Tages
feststellte, dass das angebliche Wirtshaus einen Turm bekam. Nun
erkannte er die eigentliche Bestimmung des Baus und dass man ihn
betrogen hatte. Aus lauter Wut nahm der Teufel einen mächtigen
Felsblock und wollte ihn in den Rhein schleudern. Der Fels hatte
aber ein so großes Gewicht, dass er ihm entglitt und am Fuße
des Maiblumenkopfes landete. Dort steht er heute noch.
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Der Teufelstisch
Ein finsterer Gesell wanderte einst in einer dunklen Nacht durch
das Kaltenbacher Tal. In seinen Blicken loderte unheimlich die Hast,
als er den Berg erklomm und einen Platz für seine Rast suchte.
Aber weit und breit fand er keinen einladenden Platz, an dem er
sich hätte niederlassen können, keinen Stein zum Sitzen
und keinen Tisch für sein Mahl. Schließlich packte er
mit gewaltiger Kraft zwei Felsen und stellte sie als Tisch aufeinander.
Nachdem er daran gegessen und sich gestärkt hatte, zog er weiter
durch die Nacht, den Tisch aber ließ er stehen. Am nächsten
Morgen sahen die Leute aus dem Tal den mächtigen Tisch und
erzählten sich mit Grauen, dass der Teufel da gewesen sei und
gespeist habe. Einer aber unter ihnen glaubte ihnen nicht und lachte
sie aus. Er werde in der nächsten Nacht zu dem Felstisch aufsteigen
und dort oben mit dem Teufel speisen. Trotz aller Warnungen machte
er sich kurz vor Mitternacht auf den Weg. Als die Kirchturmuhr die
zwölfte Stunde schlug, kam auf einmal ein starker Wind auf
und im Heulen des Sturms hörten die entsetzten Lauscher im
Ort einen grässlichen Todesschrei, der ihnen das kalte Grausen
den Rücken hinunter jagte. Der Ungläubige aber ward nie
wieder gesehen.
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Die goldene Orgel
Im Kloster von Eußerthal stand einst eine prächtige
goldene Orgel. Eines Tages kam der Abt mit einer schlimmen Nachricht
zurück ins Kloster. Er sammelte alle Mönche um sich und
erzählte ihnen, dass wilde Bauernhorden in das stille Tal eingedrungen
seien und auch bald vor den Toren des Klosters stünden. Er
forderte seine Mönche auf, die so reichlich vorhandenen Klosterschätze
in den Kellern zu verstecken und die Orgel, das wertvollste Stück,
sollten sie im Sumpf des Tales versenken. Danach sollten sie fliehen,
sich in den Wäldern verstecken und für ihn beten. Er blieb
allein im Kloster zurück. Als die wilde Horde in das Kloster
einbrach, suchten sie vergeblich nach den Schätzen und der
berühmten goldenen Orgel. Aus Wut darüber erschlugen sie
den Abt und setzten das Kloster in Brand, bevor sie weiterzogen.
Seit damals liegt das Kloster zerfallen und die goldene Orgel ruht
immer noch in ihrem nassen Grab im Sumpf, denn keiner der Mönche
kehrte je zurück, sodass niemand weiß, wo sie liegt.
Aber alle sieben Jahre kann man in der Stunde nach Mitternacht die
himmlischen Klänge der Orgel hören, die wie heftiges Meereswogen
über die Wiesen und durch die Wälder von Eußerthal
ertönen.
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König Dagobert
Auf der Burg Landeck herrschte einst König Dagobert. Er liebte
seine Bauern und seine Weisheit und Gerechtigkeit waren weithin
berühmt. Er stiftete viele Kirchen und Klöster und ließ
verkünden, dass für ihn jedermann, ob Edler oder Bauer,
vor dem Gesetz gleich sei. Dies missfiel seinen Vettern und den
Mächtigen des Reiches und sie überfielen ihn auf seiner
Burg. Dank eines getreuen Bauern konnte der König fliehen und
sich in einer Dornenhecke am Geilweiler Hof verstecken. Die Kunde
vom feigen Überfall auf die Burg verbreitete sich aber blitzschnell.
Die treuen Bauern versammelten sich von überall her und schlugen
die Verfolger in die Flucht. Nach seinem Tod vermachte König
Dagobert seinen Bauern zum Lohn und zu ewigem Besitz einen eigenen
Wald, die Haingeraiden. Die Weißdornhecke, bei der der König
Unterschlupf fand, heißt seitdem die Dagoberthecke. Sie ist
bis heute heilig und man sagt, wer dem Baum einen Ast abschlägt,
dem verdorrt der Arm; wer aber die Axt an den Stamm legt, der geht
elendiglich zugrunde.
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