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DIE HEXEN AUF DEM BASTBERG
In der Nähe von Bouxwiller erhebt sich der Bastberg, dessen
zusammengezogener Name von "Sankt-Sebastians-Berg" abgeleitet
wurde. Im ganzen Land ist er verrufen. Denn früher kamen um
Mitternacht die Hexen der Gegend auf seiner großen Kuppe zusammen.
Auf ihren Besen ritten sie durch die Luft und kamen zum Bastberg,
wo sie sich versammelten, aßen und tanzten.
Eines Tages kam ein armer Lehrer, der sich auf einem Dorffest verspätet
hatte, in der Nähe des Bastbergs vorbei, um nach Griesbach,
dem Nachbardorf, zu gehen. Er sah Lichter oben auf dem Hügel
und hörte Tanzweisen. Das weckte seine Neugier und er stieg
auf den Hügel, um zu sehen, was dort vor sich ging
und
plötzlich fand er sich mitten unter den Hexen wieder, die mit
flatternden Gewändern und von Fratzen verzerrten Gesichtern
einen wilden Reigen tanzten. Tische waren mit köstlichen Speisen
und Flaschen vom besten Wein gedeckt. Die Hexen luden den Lehrer
zum Essen und Trinken ein, dann sollte er eine Geige nehmen und
ein Tanzlied spielen. Er wagte nicht zu widersprechen. Ohne, dass
er sich dessen bewusst wurde, wurde sein Spiel immer wilder und
schneller; der Reigen drehte sich wie ein Wirbel um ihn herum und
das Lachen der Hexen hallte immer lauter durch die Nacht.
Im Morgengrauen erwachte der Lehrer; er lag auf einem Haufen Steine,
seine Kleider waren zerrissen, sein Kopf fühlte sich schwer
und leer an; alle Knochen taten ihm fürchterlich weh. Zu seinen
Füßen lag ein Pferdehuf. Anstelle einer Geige hielt er
eine große schwarze Katze am Schwanz, die ihn kratzte und
biss. Erschrocken ließ er sie los; sie verschwand fauchend
in den Weinbergen; er aber nahm die Beine in die Hand und lief,
so schnell er konnte, bis nach Griesbach.
Ein anderes Mal ging ein Musikant aus Gumbrechtshoffen spät
in der Nacht nach Hause; er hatte auf dem "Messti"-Fest
in Mietesheim gespielt. Eine schöne Karosse kam hinter ihm
zum Stehen; der Kutscher forderte ihn auf einzusteigen, was er sich
nicht zweimal sagen ließ. Kurz darauf hielt die Kutsche vor
einem prächtigen Schloss. Seine Tore standen weit offen; in
einem riesigen, hell erleuchteten Saal feierte eine illustre Gesellschaft
ein großes Fest.
Der Musikant wurde liebenswürdig empfangen und man bat ihn,
neben den Geigern und Querflöten Platz zu nehmen. Sobald der
Tanz vorüber war, ging man zu Tisch und ein grandioses Mahl
wurde aufgetragen; alle aßen aus silbernen Tellern und tranken
aus goldenen Bechern.
Das Fest ging zu Ende; dem Musikanten wurde ein Zimmer mit einem
schönen Bett angeboten. Müde und mit vom Wein schweren
Augenlidern schlief er sogleich ein.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, war er weit fort von
seinem Zimmer - unter dem Galgen des Bastbergs. Er stand schnell
auf, der Kopf schmerzte ihm. Er erinnerte sich jedoch daran, dass
er einen Becher aus massivem Gold in seine Tasche gesteckt hatte,
bevor er aus dem Saal ging. Er fühlte ihn in seiner Tasche,
er war noch immer da; doch als er ihn aus der Tasche zog, war es
ein Pferdehuf. Auch mit dem Musikanten hatten die Hexen ihr Spiel
getrieben.
Noch heute ist der Bastberg in der ganzen Gegend sehr verrufen,
und viele vermeiden es, sich ihm nach Einbruch der Nacht zu nähern.
Lucien Sittler La Tradition alsacienne Legenden aus dem Elsass.
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