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DIE FEINDLICHEN BRÜDER VON DER BURG LICHTENBERG
Vor langer langer Zeit lebten zwei Brüder in der Burg. Sie
verliebten sich beide in das gleiche Mädchen und hassten sich
deswegen schon bald.
Ihr gegenseitiger Hass wurde so stark, so unversöhnlich, dass
einer der beiden sich schwor, den anderen verhungern zu lassen.
Sein Bruder hingegen hatte die Absicht, ihn verdursten zu lassen.
Letzterem gelang es, seinen Bruder in ein Verlies werfen zu lassen.
Er ließ ihm nur ein wenig trockenes Brot reichen. Dem Gefangenen
gelang es jedoch, seinen Durst zu stillen, indem er seine schmale
Kost mit dem Wasser befeuchtete, das die Wände seines Kerkers
ausschwitzten. Der Burgherr bemerkte dies und berichtete entweder
aus Mitleid oder aus Grausamkeit dem anderen Bruder davon.
Außer sich vor Wut, so hintergangen worden zu sein, ließ
er den Gefangenen in eine trockene sonnige Zelle einsperren, wo
der Arme, der am Ende seiner Kräfte war, bald darauf verdurstete.
Sobald sein Schicksal besiegelt war, wurde der Peiniger von Gewissensbissen
gemartert und ertrug seine Schuldgefühle nicht länger.
Er sprang schließlich hoch oben vom Felsen und riss den Burgherrn
in seinem Sturz mit.
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