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DER KELLERMEISTER DER ARNSBURG
Zwischen Niederbronn und dem Mühltal ist der Weg lang und
kein Haus liegt am Weg. Nur die Ruinen der Arnsburg erheben sich
oberhalb eines kleinen Tals. Es wird erzählt, dass große
Fässer mit den besten Weinen noch in den weitläufigen
Kellergewölben der Burg liegen, aber noch niemand hat den versteckten
Eingang zum Keller gefunden.
Einst ging an einem heißen Sommertag ein Köhler durch
den Wald. Da er furchtbaren Durst litt, hielt er nach allen Seiten
Ausschau, um eine Quelle oder ein Bächlein zu finden. Aber
wegen der Trockenheit, die nun schon lange Wochen anhielt, waren
alle Quellen versiegt. Plötzlich, als er sich den Felsen näherte,
auf denen sich die Ruinen der Burg erheben, stieg ihm ein guter
Duft nach Wein in die Nase und er seufzte:
"Mein Gott, wenn mir doch nur jemand von diesem guten Wein
geben wollte, der in den Kellern der Burg lagert!"
Auf einmal sah er auf den Ruinen einen kleinen Mann mit weißem
Bart, einem Lederschurz um die Hüfte und einem Schlüsselbund
am Gürtel. Ganz eindeutig winkte der gute Mann dem Köhler
freundlich zu und forderte ihn dazu auf, ihm zu folgen. Der Arme,
der fast am Verdursten war, ließ sich nicht lange bitten und
folgte dem Kellermeister. Sie gingen viele halb verfallene moosbedeckte
Stufen hinab und fanden sich schließlich vor einer großen
Türe wieder. Der Kellermeister nahm einen Schlüssel aus
seinem Bund und öffnete sie. Sie traten in ein großes
Kellergewölbe ein, das gut erhalten und angenehm kühl
war. Ein köstlicher Duft, stark und mild zugleich, umhüllte
sie. Der alte Kellermeister holte aus einer Mauernische ein fein
geschliffenes Kristallglas, füllte es und reichte es dem Köhler
mit folgenden Worten:
"Hier, trink, das ist ein Wein, den der Herr von Arnsburg
trank und den ich ihm nur an Festtagen einschenken durfte. Ich war
sein Kellermeister und bin dazu verurteilt, noch zweihundert Jahre
hier zu bleiben, und darf nicht den ewigen Frieden genießen,
weil ich zu meinen Lebzeiten Wasser in den Wein der Dienerschaft
mischte. Aber die Hälfte meiner Strafe ist bereits vorbei und
auch ich werde mich bald ausruhen dürfen."
Der Köhler trank den Wein in großen Zügen. Noch
nie hatte er einen so guten Wein gekostet; noch nie hatte er sich
so munter, so jung und so fröhlich gefühlt. Er dankte
dem Kellermeister mit einem strahlenden Lächeln und kehrte
voll neuer Kraft nach Hause zurück.
Seitdem haben viele Genießer und Weintrinker die Ruinen der
Arnsburg besucht, aber der Kellermeister ist nie wieder jemand erschienen.
Während der Blütezeit der Weinstöcke steigt jedoch
manchmal ein angenehmer starker Duft aus dem Boden auf und umhüllt
die ganze Burg. Dann, so heißt es im Volksmund, wird es im
Elsass eine gute Weinlese geben und im Herbst werden sich die Weinkeller
mit einem guten Tropfen füllen.
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